Die Musikszene der 1980er erhält mit dem Album Neue Deutsche Schwelle des deutschen Musikers, Songwriters und gleichzeitig Sängers John Liedermann ein kleines Revival und genauso klingt das Album auch! Als wäre es in der Zeit von Markus (Ich Geb Gas), Hubert Kah (Sternenhimmel) und Joachim Witt (Der Goldene Reiter) oder und das ganz besonders – Der münchner Freiheit entstanden. Und das meint der geneigte Rezensent keineswegs abwertend, sondern eher Positiv. Denn diesem Musikgenie mit dem Namen John Liedermann lässt irgendwie genau diese Musikepoche in seinem Sound Revuepassieren. Manch einer wird jetzt genervt denken, ,,Die 80er haben angerufen, sie wollen ihre Musik wieder“ aber dies nur auf den ersten Blick. John Liedermann ist nämlich ein intelligenter Songwriter, der mit seiner musikalischen Kunst nicht nur gut unterhält, sondern auch alltägliche Dinge und ernste Themen anspricht. So ist das bereits im Vorfeld beleuchtete Werk Der Mann eine Hymne darüber, dass man wahre Helden nicht im Kino, sondern unter ganz normalen Menschen findet: Es geht um einen Menschen, der einem anderen Menschen das Leben gerettet hat und dafür weder Anerkennung, noch Lob erwartet.

Für John Liedermann begann die musikalische Reise im Alter von sieben Jahren, als er von seinem Großvater seine erste Gitarre geschenkt bekommen hat. Später folgten Schulaufführungen, bei denen John Liedermann die Rolle des Frontmanns übernommen hatte. Mit der Musik sollte John dann jahre Später durchstartet und das erste mal, hat man mit dem Song Der Mann von ihm Notiz genommen. Eine Nummer, die sozusagen aussagt, dass ein wahrer Held nicht auf der Leinwand zu finden ist, sondern Ärzte, Organ- und Blutspender, Lebensretter die wahren Helden sind. Doch sie feiert niemand, während man Spiderman anhimmelt Desweiteren soll dieser Song in dem Zuhörer Mut machen, zu dem was ihn glücklich macht zu stehen, denn laut Aussage von John Liedermann findet man nur so zu seinem wahren Glück. Zehn Songs sind es, welche John Liedermann auf Die Neue Deutsche Schwelle präsentiert, die allesamt eine unterschiedliche Bedeutung haben: So ist Amigue eine psychopathische Hommage an den Legendären song Jeanny von Falco, 99 Rosen handelt vom Verlassen werden einer einst geliebten Person und wie zuletzt näher mit Frequenzwechsel in einem dedizierten Bericht auseinandergesetzt, handelt dieser Song von der digitalen, modernen Welt aus der social Media Doktrin, bei der man ständig vernetzt und online ist und der beschreibt, wie ein Individuum sich vorkommt, als friste er sein Dasein als Maschine. Intelligente Wortgewandtheit sorgt dafür, dass man die Songs des John Liedermann auf diverse Arten interpretieren kann, die aber dennoch irgendwie miteinander zusammenhängen. Wenn das sein Großvater geahnt hätte, wäre er sicher Stolz auf ihn.

Mit dem als Uto.Pie benannten Intro, welches absichtlich eine Klangästhetik hat, als würde man eine Live Produktion anhören, behandelt John Liedermann den Traum, welchen sehr viele Musiker haben: Als weltberühmter Star die Massen begeistern. Doch ist es real? oder bleibt es nur ein Traum? Mit diesem Einstieg leitet John Liedermann sein Langspielopus Die Neue Deutsche Schwelle ein und man kann bis jetzt sagen, dass er hier ein interessantes Werk produziert hat, welches mit musikalischem- und kompositorischem Können aufwartet. Auch wenn der Mann mit einem humorvollen Auftritt, so ist er inhaltlich doch durchaus ernstzunehmen. Wenn man sich Songs wie Der Mann, anhört wird klar, das man einen Menschen nicht oberflächlich abstempeln soll und der Mut hat und getrost sein Ding durchzieht. Mit kompoisitorischem Geschickt verwandelt John Liedermann diesen Song in ein angenehmes Ensemble, welches seine Stimme, die irgendwo zwischen Aron Strubel und Sebastian Krumbiegel liegt, perfekt zum Publikum transportiert. Mit virtuosen Gitarrensolos lockert John Liedermann die Arrangements seines Songs auf. Mit dem Thema des Songs 99 Rosen kann sich der ein oder andere sicher  identifizieren: Eine todgefahrene Beziehung und das bereuen einer Person, die diesen Menschen um keinen Preis verlieren wollte. Am Ende des lyrischen Inhaltes bittet John Liedermann seine angebetete quasi aus der ich-perspektive heraus, dass sie nicht vergessen soll, dass er sie liebt. Es geht um eine Beziehung, die 99 Monate, also 8,2 Jahre andauerte und für jeden Monat eine dieser Rosen steht. Somit wird der Person am Ende für die Beziehung gedankt. Emotional gelingt es John Liedermann den Zuhörer zufesseln und einen Ohrwurm zu erschaffen, der die Emotionen des Konsumenten erweckt. Mit einem fantastischen Sounddesign und einem unschlagbar guten Arrangement, sowie einer soliden Instrumentenführung, werden dieser- und die anderen neun Titel auf dem Album Die Neue Deutsche Schwelle transportiert. Auch die Produktionsarbeit, welche John Liedermann in Zusammenarbeit mit Dimensions Music gemeistert hat, tut ihr übriges und erinnert tatsächlich an die Neue Deutsche Welle. Mit seinem Sound überschreitet John Liedermann tatsächlich die Schwelle der moderne zurück in die 1980er, ohne dabei verstaubt, oder „alt“ zu klingen.

So beschreibt das bereits angesprochene Lied Frequenzwechsel den Gefühlszustand, dass man sich nicht wie ein Mensch fühlt und wie ein Mensch fühlt. Hierbei beschreibt John Liedermann auf intelligente Art und Weiße dem Stumpfsinn der ständig vernetzten Welt der moderne und schafft dabei einen Synthesizerlastigen Sound der Retro as Hell ist und beschreibt das Gefühl einen Mensch zu finden, der ihn lebendig fühlen lässt. Ob man Ambigue als eine Art Fortsetzung zu Falco’s Jeanny sehen kann? Zumindest hört sich der Text so an, als würde er aus Sicht des damaligen Psychopathen kommen, der eben Jeanny lebt und nicht vergessen kann. Pianoklänge und verzerrte Gitarren, die hier und da aufleuchten zieren das TR-808 geschwängerte Arrangement von Ambigue. Hierbei singt John Liedermann einen Song im Duett mit einer befreundeten Sängerin entstanden ist. Hierbei zeigt John Liedermann erneut seine gesangliche Leistung mit musikalischer Meisterarbeit. Am Ende wurde der Psychopath von dem SEK eliminiert und Jeanny hat überlebt. Es ist erstaunlich wie gut John Liedermann hier die musikalische Essenz von Falco eingefangen hat. Fans des legendären österreichischen Rappers, die sich so gerne einen dritten Teil gewünscht hätten, sind hier goldrichtig!

Doch damit noch lange nicht genug! Weiter geht es mit Am Fenster ein Song mit magischer Synthesizerklangfläche, 80er Drumcomputer (Räusper Roland TR-808) und funkigen Gitarren und erneut gibt es hier einen Song, welcher das lyrische Talent von John Liedermann unterstreicht. Ob es sich hierbei um eine art Aftermath von dem vorherigen Track handelt? oder ein Zwischenstück? es kommt einem jedenfalls so vor! Synthesizerflächen tragen den mehrstimmigen Gesang aus Frauen- und Männerstimmen und werden von seichten Pianoklängen an manchen Stellen ergänzt. Instrumental ein etwas gemäßigter Song, jedoch mit schockierendem Inhalt, welcher den Freitod als Thema hat.

Schnee hat mit seinem rockigeren und düsteren Jargon eine zunächst plakative Bedeutung, bei der man an Winterlandschaft denkt. Natürlich erneut mich mächtigen Synthesizern, verzerrten Gitarren und druckvollen Drums. Ein wenig muss man bei dem Text schmunzeln : ,,Ich sehne mich nach dem Weißen Gold, dass ich so mag“ singt John Liedermann und man könnte den Text auch als eine Art huldigung an das Kokain verstehen. Doch offiziell geht es natürlich tatsächlich an die Sehnsucht nach Winterlandschaften.

In der heutigen Zeit, sind viele Menschen extremst negativ und das geht einem teilweise gewaltig auf den Piss und gottseidank gibt es noch Menschen, die sich nicht die Fröhlichkeit nehmen lass und einem solchen Menschen widmet John Liedermann mit Du Lachst So Schön einen wunderschönen Song, der einen Menschen beschreibt, welcher die pure Lebensfreude empfindet. Oftmals ist das bei den Kindern so, die sich dies stets bewahren sollten. Hierbei spielt John Liedermann eine Gitarrenlastige Melange aus seinem Songwriterischen Talent und liebevollen Pianoarrangements. Auch Du Lachst So Schön erweißt sich als ein Song, den man sich zu Herzen nehmen sollte.

Träumen (Darf Man Wohl Auch) ist im Feature mit Der OleMaddy und Melody, Casual K., und Vicky D. entstanden und ist eine leidenschaftliche Ballade, die mit einem Klavierarrangement einleitet und dabei mit einem liebevollen Pianoarrangement einleitet. Verschiedene Stimmen wechseln sich hier im Text ab und beschreiben die unterschiedlichsten Träume, die ein Mensch haben kann. Diesen schönen Song, welcher im balladischen, gezügelten Tempo gehalten ist, kann sich ein jeder zu Herzen nehmen. Zum krönenden Abschluss kündigt der König der neuen deutschen (Sch)Welle unter pompösen Trompetenintros und rhytmischen Drums und Gitarrenarrangement mit AfDumpfbacken ab. Im Song Alles Wählt Blau rechnet er mit strunzdummen Menschen ab, die sich für rebellisch halten, aber dabei nur ihr Unglück über ihr eigenes Leben an „Minderheiten“ auslassen. Natürlich wird dieses pack, welches ja gar keine Nazis sind, aber irgendwie doch schon, jetzt wieder den Narzissmus hart kicken lassen und sich angegriffen fühlen, aber leider sagt John Liedermann die Wahrheit über so manch eine Trauergestalt in Deutschland. Sorry Fascho-Alex, Die Wahrheit tut weh was? Und nein Weder John, noch der geneigte Rezensent sind Linksextrem, die sind genauso schlimm wie du!

Fazit 10 von 10: Mit Die Neue Deutsche Schwelle holt John Liedermann gekonnt die 80er zurück in die Neuzeit und präsentiert einen Sound, der auch vierzig Jahre nach seiner Schöpfung alles andere als eingestaubt ist. Anhören! und den intelligenten Songs lauschen!

Mehr zu John Liedermann im Netz:

John Liedermann – Die offizielle Webseite:
https://www.johnliedermann.de/

John Liedermann bei Facebook:
https://www.facebook.com/johnliedermann.offiziell

John Liedermann bei Spotify anhören:
https://open.spotify.com/artist/1ej0RRiYYjnJRGYZ5fXc7A

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