Seien wir mal ehrlich. Alles entwickelt und verändert sich und somit auch die Musikszene, sowie ebenfalls die Projekte. Im Vergangenen Jahr haben wir euch das Album White As Death des us-amerikanischen, genauer gesagt, des kalifornischen Projekt Lipstick & Cyanide vorgestellt. Damals hat der Mastermind Judas ‚Ghoul‘ Corpseboy die Scheibe noch gänzlich im Alleingang eingespielt und mit seiner kompromisslosen und quasi fast schon traditionellen Gothic Attitüde und Klangkunst überzeugt, so hat sich die Konstellation in Folge dessen verändert: Lipstic & Cyanide wurden nämlich um Sänger Arthur Elwin und Schlagzeuger, sowie Programmer Reverend Posion erweitert, wobei Judas ‚Ghoul‘ Corpseboy nun für den Bass und die Gitarre zuständig ist. Was aus dieser Zusammenkunft herausgekommen ist, trägt den Namen Dead Man’s Love und wartet mit Acht Titeln auf. Ganz im Stile von Legenden wie Bauhaus, The Sisters Of Mercy und co. ist vollkommen klar, wohin die musikalische Reise hingeht. Lipstick & Cyanide verlieren hierbei keineswegs ihre Identität, geben sich aber definitiv weiterentwickelt und überzeugen mit Dead Man’s Love auf ganzer Linie. 

Den Anfang machen Lipstick & Cyanide mit dem Opener The Stalker (pt. 1)  mit welchem Lipstick & Cyanide direkt eine Stimmung aufbauen, die einfach schön und düster, wenn nicht sogar hypnotisch ist. Düstere Synthesizersphären zieren das Arrangement dieses Titels, welcher mit einer hypnotischen Spoken Word Einlage seinen lyrischen, inhaltlichen Aspekt enthält. Thematisch könnte man den ersten Teil von The Stalker insofern interpretieren, dass ein Mensch den anderen Menschen seiner Begierde ermordet hat, weil er seine Gefühle nicht erwiderte. Diese Einleitung stimmt perfekt auf das ein, was den Zuhörer binnen der nächsten halben Stunde erwarten wird und so ist es überdeutlich, dass dieses post-punkige Gothic Rock Opus mit dem Namen Dead Man’s Love ein Konzeptalbum ist. Mit dem kompromisslos klingenden Gothic Rocker She Died Alone geht es um ein 16-jähriges Mädchen, welches unter Depressionen litt und ihrem Leben ein Ende setzte. Eingängige Gitarren- und Bassriffs werden von zügigen Drums angetrieben, die einen perkussiven Ausschlag im Refrain ausweichen. Hierbei klingen Lipstick & Cyanide düster, wobei leichte Synthesizerflächen dem ganzen noch eine bedrückend finsteres Plus aufsetzen. Sänger Arthur Elwin kommt mit seiner ruhigen und zugleich fast schon hypnotischen Stimme perfekt zu der instrumentalen Darbietung, bei welcher Lipstick & Cyanide Eingängigkeit mit purer Gothic Attitüde verbinden. Venus In Furs ist dann ein Titel, welcher mehrfach interpretiert werden könnte und hierbei das lyrische Talent von Lipstick & Cyanide hervorhebt. Düstere Keyboardssphären begleiten das Arrangement von Venus In Furs, welches sich ebenfalls in einem vernünftigen Gothic Rock Jargon. Hierbei spielen Lipstick & Cynaide ein simples, aber tragendes Riff, welches den Gesang effektiv zum tragen bringt. 

Mit elektronischen Drums der Marke Roland Tr-909 eröffnet dann der nächste Titel The Bridge, dessen Arrangement aus treibenden Bassriffs und interessanten Keyboardklängen, die sich im Kanon mit den Bassriffs halten und immer mehr muss man bei der Gesangsleistung, welche Lipstick & Cyanide hier aus den Lautsprechern tragen lassen, an Andrew Eldritch (Sisters Of Mercy) denken. Im Lead des Songs hört man eine mit Hall versehene Gitarre, die clean ist und hierbei als melodische Unterstützung dient. Psychotisch und sinister ist die Musik von Lipstick & Cyanide, welche vor allem den Gothic Rock Fan, der es Genrespezifisch traditionell mag anspricht. Inhaltlich könnte man das Ganze wieder mehrdeutig interpretieren: Ein Individuum steht auf einer Brücke und sieht das „Licht“ – Ob damit das „Licht“ gemeint ist, von dem Menschen berichten, welche klinisch Tod waren und zurück ins Leben gebracht wurden? Dies wäre eine der Interpretationsspielräume. Als nächstes wird mit dem zweiten Teil von The Stalker eine klassische Stalking-Situation beschrieben: Ein Individuum steht vor dem Fenster der Person, welche er nachstellt. Zügig geht es dann mit Blessings weiter, einem Song, der ordentlich rockt und tanzbar aus den Boxen kommt. Inhaltlich wirkt das ganze sehr zynisch auf Jesus Christus gerichtet. Hierbei spielen Lipstick & Cyanide zügigen Mix aus Gothic Rock und Post Punk. 

Bei Little Jackie, welches mit Drums, die rhythmisch auf den Toms einleitet und ein simples Riffing aus Rhythmusgitarre und Bass einleitet. Hier wird die Story von der kleinen Jackie erzählt, welche Untot ist. Vampir? oder Zombie-Mädchen? So kommt das Ganze jedenfalls rüber. Erneut zeigen Lipstick & Cyanide ihr lyrisches Können. Die unheilvolle Leadgitarre macht das Ganze dann noch umso unbehaglicher und schaurig schön. Wenngleich das Riffing des Songs doch irgendwie sehr belanglos aus den Boxen kommt. Im Dreivierteltakt kommt dann The Stalker (Part III) zum Finale auf euch zu. Hierbei spielen Lipstick & Cyanide im Waltzertakt. und mit mächtig Reverb eine Story auf, die zunächst von Pianoklängen und Bässen begleitet wird, die einfach schaurig klingen und die Geschichte, welche als Abschluss des neuen Albums Dead Man’s Love ist.

Fazit 9 von 10: Lipstick & Cyanide sind Anno 2021 eine Band, die sich alle schwarzen Seelen da draußen reinziehen sollten! Wenn du das nicht willst, dann höre weiterhin Depeche Mode!

Lipstick & Cyanide im Netz:

Lipstick & Cyanide bei Bandcamp:
https://lipstickcyanide1.bandcamp.com/releases

Lipstick & Cyanide bei Soundcloud:
https://soundcloud.com/user-426294057

Lipstick & Cyanide bei Spotify anhören:
https://open.spotify.com/artist/3b82eUpanschfSRAbM8XpL

 

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