Aus dem englischen London erreicht uns mit Our War And How We Won It des Künstlers Marsy Mars ein Album, welches in seinem Konzept und Sounddesign höchst interessant aus den Boxen kommt. Seine stilistische Ausrichtung wird als Baroque-Hop bezeichnet, einer Stilrichtung, welche sich in der alten Tradition der europäischen Musik bewegt und mit interessanten Sounddesigns und Ideen einen eigenwilligen Stilmix präsentiert. Das nunmehr dritte Album von Marsy Mars kombiniert Lateinamerikanische Rhythmik mit der  lyrischen Sorgfalt des Hip Hop und einer ordentlichen DNA der modernen Popmusik, sowie einem Wunsch aus diesen Fesseln auszubrechen. Als ein Dostoyevsky Roman, zu dem man tanzen kann bezeichnet, erzählt Our War And How We Won It die turbulente Geschichte einer Familie, die auf dem Weg zum Reichtum aufstrebt und über einen Kind, welches sich dem widersetzt und eine ganz andere Person wird, als jene die es aufgezogen haben.

In Gewisserweise Avant Gardistisch eröffnet der Opening Track One Eyes Of Blue mit einem Sounddesign, welches zunächst einen Synthesizer im 8-Bit / Retrogame Sound zum Besten gibt und irgendwie klingt, als haben Marsy Mars und sein Team bewusst sich dem Noise Genre bedient. Doch dieses Solo ist nur von kurzer Dauer, als kurz darauf dann ein wunderschönes Spiel des akustischen Klaviers einsetzt und somit eine volle Kraft des Intros auf das ganze Album in gekonnter Manier vorbereitet. Wenn man das Sounddesign auf Marsy Mars‘ neuem Album Our War And How We Won It in Betracht zieht, stellt man direkt Fest, dass hier ambitionierte Musiker und zugleich auch (sound)Designer am Werk waren! So bietet Our War And How We Won Iteinen facettenreichen Abwechslungsreichtum, welcher dafür sorgt, dass dieses Konzeptalbum so ziemlich alles-, aber nicht langweilig wird. Mit interessanten Hip Hop Beats, die ordentlich grooven eröffnet I Was Reading In The March Of Time, wobei streicherfanfaren das tragende Element des Songs sind, die von tanzbaren Beats im mittleren Tempo das Arrangement vorantreiben. Mal Abseits von dem epischen Sounddesign, welches irgendwie geil aus den Boxen kommt, ist es besonders der (sprech-)Gesang, welcher bei diesem Song zum Besten kommt. Hier wird nicht nur auf instrumentaler Ebene eine interessante Kunst geschaffen, sondern auch auf lyrischer- und stimmlicher Ebne, wobei Marsy Mars mit einem fantastischen Flow rüberkommt. Gesangslines runden das Ganze dann noch ab. Everything My Money Can Buy kommt irgendwie mit dem Synth Sound der 80er Jahre und zügigen Drumbeats aus den Boxen, wobei ebenfalls der Rap sehr flüssig und in einem soliden Flow aus den Boxen kommt. Erneut lyrisch perfekt und im Refrain mit einer schönen Gesangsline bestechend, präsentiert Marsy Mars sich hier ebenfalls von einer unangepassten und fast schon avant gardistischen Seite, denn der Sound ist bewusst eher Lo-Fi, statt Hi-Fi, aber das macht irgendwie einen gewissen Charme aus.

Heroes (In Search For Defeat) kommt dagegen dann mit einem Sound um die Ecke, welchen wir in dieser Stelle mal als Retro-60’s-Surf-Inspired bezeichnen möchten. Fantastische Soundkompositionen und Hallig, trebble-echo Gitarren sind hierbei im Sound des Songs ebenso inklusive, wie das absolut fantastische Rap-Talent, welches hier einfach jeden Kritiker im Keim ersticken lässt. Doubletime gespitte, ist hier ebenso an der Tagesordnung, wie der fast schon psychedelische Leadgesang, welcher den Refrain ziert. Mit Variation wird das Arrangement des Tracks und wandelt sich bald in einen bewussten Lo-Fi Sound zumindest im Leadbereich um. Orgelsynthesizer zieren das Arrangement dieses traumhaft schönen Titel, der um jeden Zweifel erhaben ist. Funkig geht es dann bei I Just Want To Make Jelly Out Of Stars zu, zugegeben: Der Titel ist irgendwie beim ersten lesen witzig. Hierbei präsentiert Marsy Mars in einem funkigen Sound original aus akustischen Drums, rockig-funkigen Gitarren und das erneut gekonnte lyrische Talent- sowohl im fantastischen Rap-, als auch im schönen Leadgesang. Ein wenig fühlt man sich bei den tiefgründigen Lyrics und dem hier dargebotenen Sounddesign, welches musikalisch und kompositorisch einfach Spitze ist, wirklich in die 60er oder 70er versetzt.

Erst langsam, dann immer bestimmter-, d.h. mit einer gewissen Leichtigkeit leitet I Believe In The Savant In You, mit einem liebevollen Thema, welches sich hier eher am klassischen Hip Hop Sound orientiert, ohne dabei den eigenwilligen und aufwändigen Soundcharakter zu verlieren. Für ein weiteres Element der Vielschichtigkeit sorgt dann (Do You Know the) Cherub’s House Address? bei welchem ethnische Klänge mit den fantastischen Raps kombiniert werden, die dann dem typischen Facettenreichtum der Musik des Marsy Mars gerecht werden. Bei Our War And How We Won It ist es nicht nur der fantastische Rap- und Klargesang-, sondern auch die Komposition und das Sounddesign-, welches die einzelnen Songs konstant interessant machen. Ebenfalls unvorhergesehen ist der Einsatz diverser Richtungs- und Stilwechsel mancher Songs. Von Vanillaquake (Magdalen Ish), das mit seinem träumerischen Synthesizer Sound und den Drumbeats einer klassischen Roland Drummachine besticht, sowie durch fantastische Raps im wortgewandten Doubletime überzeugt-, bishin zu dem Endspurt Our Mutual Enemy, ist Our War And How We Won It ein Garant für verdammt guten Hip Hop mit einer absolut experimentellen-, eigenwilligen und avantgardistischen Ausrichtung-, die nicht nur durch ihre Kompositionen und das diverse Sounddesign der einzelnen Songs lebt, sondern das auch lyrisch- und stimmlich / Gesangstechnisch einfach ein Hauptgewinn ist. Von dem Mainstream des traditionellen Hip Hop hebt sich das neue Full-Lenght des Marsy Mars jedoch entschieden ab und das ist gut so! Hier wird mal etwas ganz eigenwilliges Geboten, was frischen Wind in das Hip Hop Genre bringt.

Fazit 8 von 10: Überdurchschnittlich gutes Werk, des sogenannte Baroque Hop mit lyrisch wertvollen Inhalten und fantastischen Hip Hops. Anhören!

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https://twitter.com/Marsy__Mars

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