Jim Schatzmann zählt zu einem der wichtigsten Independentkünstler der letzten zwei Jahren. Ein mancher scheint diese Meinung nicht zu teilen, vorrangig jene, die sich von ihm und seinem Projekt Soziales Hetzwerk nicht die Meinung sagen lassen wollen. Jedoch ist es wichtig, dass hier ein Sprachrohr mal Tacheles redet und nachdem er im vergangenen Jahr mit seinem selbstbetitelten Debütalbum einem jeden Internetrambo und „besorgtem Bürger“ in Form einer kompromisslos ehrlichen Rockplatte der deutschen Sprache und mit punkiger Attitüde einen musikalischen Arschtritt und eine akustische Backpfeife verpasst hat, ruhte er sich nicht auf dem Erfolg, welchen er damit gefahren hat aus, sondern rechnete gleich mal im März mit dem Hetzer ab, zeigte sich aber einen Monat später von einer interessanten anderen Seite, mit der zweiten Vorabsingle Ein Liebeslied. Beide Singles wurden als Appetizer zu dem neuen Album Provokateur konzipiert und ließen die Spannung auf dieses, zweite Langspielwerk des Sozialen Hetzwerk steigen. So ist es die abwechslungsreiche Mischung aus Sarkasmus, Härte, aber auch Feeling, sowie der musikalischen Ambition zu verdanken, dass bereits das Debüt nicht nur im deutschsprachigen Raum, sondern auch darüberhinaus Anklang gefunden hat.

Erneut eröffnet Jim Schatzmann das neue Album mit dem auf Punkrock getrimmten Cover eines bekannten Instrumentalstücks, mit welchem er gleich seine Fähigkeiten als Musiker und Gitarrist unter Beweis stellt. Diesmal mit einer perfekt inszenierten Coverversionen von When The Saints. Im Anschluss an dieses Intros, folgt dann die Rock ‚N‘ Rollige Punkrock-Nummer Hetzer die mit einer ordentlichen Portion Onkelz aus den Boxen tönt und sowohl kompositorisch, als auch lyrisch direkt überzeugt. Hierbei geht es darum, dass eine gewisse Gruppe Menschen sich gerne verführen lässt und schwache Menschen gerne als Sündenbock ernennt. Jim Schatzmann verpackt diesen Text gewohnt qualitativ hochwertig und intelligent und es ist einfach nur affengeil! Ein jammer hierbei ist, dass die Sache nunmal traurig, aber Wahr ist. Man bekommt mit Hetzer direkt einen guten Einstand in das neue, neun Titel umfassende Gesamtwerk. Angetrieben von einem soliden Drumming, welcher der Us-Amerikaner Jake Naugle auf dem Album eingespielt hat und Jim Schatzmann dazu anpeitscht aus seinen Saiteninstrumenten alles raus zu holen. Und dies tut der Mann auch! Soziales Hetzwerk gibt sich kompromisslos wie gewohnt und verpackt Punk-lastige Deutschrock-Mucke mit intelligenten Texten und soliden Instrumentalbegleitungen.

So ist Tanz Mit Mir ein melodischer Song der direkt mit einer fantastischen Leadgitarre einleitet. Erneut wird direkt klar: Soziales Hetzwerk zeichnet sich nicht nur durch seine solide musikalische Arbeit aus, die nicht einfach nur so untergenudelt wird, sondern die auch vor allem durch einen Facettenreichtum hinsichtlich des Arrangement lebt und auch inhaltlich ist es nicht unbedingt plakativ! So rechnet Jim Schatzmann auf Tanz Mit Mir! mit einem System aus Unterdrückung, der Lügen und der Intrige ab, auf welche der Dumme hereinfällt und spricht soziale Probleme an, gewachsen wie der Schnabel. Als wäre das noch nicht genug, haut Soziales Hetzwerk noch ein’s mehr raus und garniert diesen Dauerschleifengarant mit einem zackigen, spritzigen und kurzen Gitarrensolo. Soziales Hetzwerk steht nicht nur für die Ablehnung eines jedes intriganten, empathielosen Psychopathen, sondern auch für absolut hochwertige Deutschrock-Kunst mit einer ordentliche Prise Punk inne!

Das gut strukturierte Ein Liebeslied geht ebenfalls knallhart zur Sache, wenngleich sich hier das Ganze Arrangement etwas – man verzeihe dem Rezensenten den Ausdruck – Im Verhältnis „weichgespülter“ ist. Doch auch romantisch kann Jim Schatzmann sein und gibt mit diesem Song, eine wertvolle Botschaft mit: Man sollte nicht gleich an seiner Beziehung zweifeln und die Flinte ins Korn werfen. Qualitativ hält Soziales Hetzwerk konstant ein hohes Niveau und behält dieses auch mit dem Song Die Besten Vom Westen bei. ausdrucksstarke Lyrik wird mit gewohnt solider Rockmusik gepaart. kommt die Leadgitarre Metallastig aus den Boxen und metallastige Rhythmusgitarren zieren das Arrangement von Die Besten Vom WestenScheiß Drauf kommt dann im gemäßigten Tempo aus den Boxen und stellt zunächst das Spiel der Leadgitarre des Jim Schatzmann in den Focus. harmonisch kommt im Verse das Spiel der nicht verzerrten Stromgitarre, die im Lead dann mit Overdrive Guitars ergänzt wird. Ungewohnt zeigt sich Soziales Hetzwerk hier von einer gemäßigteren Seite und präsentiert einen Song, der einer Person gewidmet ist, die stets ihr Ding verfolgt hat und auf andere und ihre bornierte Meinung zu Pfeifen, sowie dass man nicht immer alles akribisch hinterfragen sollte. Als topping Extra, gibt es erneut ein leidenschaftliches Solo der Gitarre, das sich perfekt von der Rhytmusfraktion des Songs abhebt.

Bei Elitär brennt dann aber das Rock ‚N‘ Roll Feuer erneut hoch. Extrem nach einer Symbiose nach Punk und Rock ‚N‘ Roll klingend, macht Soziales Hetzwerk hier einen auf Rolling Stones – zumindest im übertriebenen – Sinne. Gewalt In meinem Kopf ist dann erneut ein schneller Deutschpunkrocker, der so frisch und unverbraucht tönt, wie die ersten Songs des Albums ProvokateurJim Schatzmann liefert mit diesem Song eine Abrechnung mit egozentrischen Idioten, die keinen Respekt vor anderen kennen, aber ihn für sich einfordern. Diese Doppelmoral kennt man zuhauf und erneut in der gewohnt intelligenten Qualität, umschreibt Soziales Hetzwerk die Gefühlswelt, die so ein Mensch auslösen kann. Zum grande Finale gibt sich Soziales Hetzwerk mit Gebrochener Flügel von einer ungewohnt sanften Seite. Rockige Arrangements und gezähmte Vocals zieren das Arrangement. Lyrisch erneut poetisch und zum Nachdenken anregend, verabschiedet Soziales Hetzwerk sich von seinem Publikum.

Fazit 10 von 10: Erneut trifft Soziales Hetzwerk mit Provokateur den Nerv und liefert eine Deutschrockplatte in Reinform! Unbedingt anhören

Mehr zu Soziales Hetzwerk:

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Soziales Hetzwerk bei Bandcamp:
https://sozialeshetzwerk.bandcamp.com/

 

 

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